Vapen oder Rauchen aufhören, was ist schwerer? Die Zahlen aus Deutschland und den USA geben eine überraschend klare Antwort.
Ein Freund hat vor drei Jahren mit dem Rauchen aufgehört. Es hat ihm zwei Anläufe gekostet, dann war er durch. Seine Schwester vapet seit zwei Jahren und hat schon fünfmal versucht aufzuhören, jedes Mal ohne Erfolg. Genau diese Frage, ob Vapen oder Rauchen aufhören schwerer ist, wird immer öfter gestellt, und die Antwort ist komplizierter, als man denkt.
Fangen wir mit den nackten Zahlen an. In den USA wollten 2022 rund zwei Drittel aller Raucher aufhören, mehr als die Hälfte hat es tatsächlich versucht, aber nur 8,8 Prozent haben es geschafft, so das CDC. Das zeigt: Rauchen aufzugeben war noch nie einfach. Trotzdem hat sich die Zahl der Menschen, die es überhaupt versuchen, langfristig durchgesetzt: Fast zwei Drittel aller ehemaligen Raucher in den USA haben es irgendwann geschafft, dauerhaft aufzuhören.
Warum fällt der Rauchstopp in Deutschland so vielen schwer?
In Deutschland sieht die Lage anders aus, und nicht besser. Laut der DEBRA-Studie ist der Anteil der Raucher, die überhaupt einen ernsthaften Aufhörversuch starten, von 30,4 Prozent im Jahr 2016 auf nur noch 7,7 Prozent im Jahr 2024 eingebrochen. Das bedeutet nicht, dass Rauchen leichter geworden ist. Es bedeutet, dass viele gar nicht mehr den Versuch wagen, obwohl Rauchen laut Bundesgesundheitsministerium jedes Jahr rund 127.000 Menschen in Deutschland das Leben kostet.
Warum sinkt die Zahl der Aufhörversuche, wenn das Risiko so hoch bleibt? Ein Teil der Antwort liegt beim Vapen. Immer mehr Raucher steigen um, statt komplett aufzuhören, und empfinden das bereits als Erfolg, auch wenn sie weiterhin Nikotin konsumieren.
Ist Vapen schwerer aufzuhören als Rauchen?
Hier wird es interessant. Eine Kohortenstudie der UC San Diego, veröffentlicht 2025 in JAMA Network Open, hat 6.013 Raucher verfolgt und herausgefunden, dass bei gelegentlichen Vapern die Rauchstopp-Rate 5,3 Prozentpunkte niedriger liegt als bei Nicht-Vapern. Bei täglichen Vapern war die dauerhafte Abstinenz von Rauchen und Vapen zusammen sogar 14,7 Prozentpunkte niedriger. Das E-Zigaretten-Vapen macht den Ausstieg aus dem Rauchen also nicht leichter, sondern schwerer, weil es die Nikotinsucht am Leben hält, nur in anderer Form.
Das liegt auch an der Technik selbst. Moderne Vapes mit Nikotinsalzen liefern das Nikotin fast genauso schnell ins Gehirn wie eine Zigarette, oft in wenigen Sekunden, so eine Untersuchung der Oxford University Press aus dem Jahr 2024. Der Unterschied: Eine Zigarette brennt irgendwann aus. Ein Vape nicht. Du kannst rund um die Uhr ziehen, ohne dass dir etwas Grenzen setzt. Genau das macht das Muster so tückisch, wie wir bereits im Artikel Warum Einweg-Vapes so schwer aufzugeben sind ausführlich erklärt haben.
Eine britische Befragung hat das Gefühl vieler Nutzer bestätigt: 17 Prozent der Befragten gaben an, sich sehr stark von E-Zigaretten abhängig zu fühlen, 35 Prozent hielten Vapen für genauso süchtig machend wie Zigaretten, fast 6 Prozent sogar für süchtiger. Wer direkt nach dem Aufwachen zum Vape greift oder Liquids mit mehr als 15 mg Nikotin pro Milliliter nutzt, war laut dieser Studie besonders häufig stark abhängig.
Warum entwickelt sich eine Vape-Sucht so schnell?
Bei Zigaretten dauert es oft Monate oder Jahre, bis eine feste Abhängigkeit entsteht. Bei Vapes kann das schneller passieren, als viele Nutzer erwarten. Ein Grund: Rauchen hat natürliche Pausen eingebaut. Man geht raus, raucht eine Zigarette, geht wieder rein. Beim Vapen fällt diese Struktur weg. Du ziehst am Schreibtisch, im Auto, beim Serien schauen, ohne es bewusst zu registrieren. Genau deshalb passiert ein Rückfall bei Rauchern meist im ersten Monat nach dem Aufhören, während Vaper oft erst Monate später wieder einsteigen, einfach weil das Gerät jederzeit griffbereit ist und niemand von außen eingreift.
Hilft Vapen überhaupt beim Rauchstopp?
Hier widersprechen sich die Daten aus den USA und aus Deutschland deutlich. Die erwähnte UC-San-Diego-Studie kommt zu dem Schluss, dass E-Zigaretten-Nutzung die Rauchstopp-Rate nicht erhöht, sondern senkt.
In Deutschland zeichnet eine aktuelle gesundheitsökonomische Studie ein anderes Bild: Die Erfolgsquote von E-Zigaretten liegt hier bei 9,7 Prozent, fast doppelt so hoch wie beim Aufhören ohne Hilfsmittel (5,0 Prozent), und sogar höher als bei verschreibungspflichtiger Nikotinersatztherapie (7,5 Prozent) oder Nikotinbeuteln (6,7 Prozent). Auch das Deutsche Zentralinstitut für Suchtfragen (DHS) berichtet, dass 41 Prozent der Vaper angeben, nach dem Umstieg keine herkömmlichen Zigaretten mehr zu rauchen.
Was heißt das jetzt? Beide Datensätze können gleichzeitig wahr sein. In den USA nutzen viele Menschen Vapes zusätzlich zum Rauchen, nicht als Ersatz, und genau das verlängert die Abhängigkeit. In Deutschland setzen mehr Menschen Vapes gezielt als Ausstiegshilfe ein, mit klarem Ziel, komplett aufzuhören. Der entscheidende Unterschied liegt also nicht im Produkt selbst, sondern darin, wie du es einsetzt.
Was bedeutet das für deinen eigenen Ausstieg?
Falls du gerade überlegst, vom Rauchen aufs Vapen umzusteigen, um “leichter” aufzuhören: Die Zahlen zeigen, dass das oft nach hinten losgeht. Nikotin bleibt Nikotin, ganz gleich, ob es aus einer Zigarette oder einem Vape kommt, und genau das macht das Aufhören in beiden Fällen so schwer. Wer bereits umgestiegen ist, findet in unserem Artikel über Nikotinbeutel wie ZYN, On! oder Velo weitere Wege, komplett nikotinfrei zu werden, und auch der Vergleich zwischen Snus und Nikotinbeuteln kann helfen, die eigene Situation besser einzuordnen.
Am Ende zählt weniger, welches Produkt du benutzt hast, sondern ob du einen klaren Plan hast, damit aufzuhören, und ob du dir dabei Unterstützung holst. Kombinierte Ansätze aus fachlicher Beratung, einer bewährten Methode und klaren Zielen erhöhen die Erfolgsrate erheblich. Zahlen aus Katar zeigen, dass Aufhörversuche allein in etwa 5 Prozent der Fälle gelingen, mit verschreibungspflichtiger Unterstützung aber auf bis zu 16 Prozent steigen. Was du zuletzt geraucht oder gevapet hast, spielt am Ende weniger eine Rolle als die Frage, ob du es diesmal mit dem richtigen Werkzeug angehst.