Du hast die Zigaretten weggeworfen und greifst jetzt zur E-Zigarette. Die ehrliche Antwort: Deine Nikotinsucht ist geblieben, nur die Verpackung hat sich geändert.
Du hast es geschafft, die Kippen wegzulassen. Kein Aschenbecher mehr, kein Geruch in der Jacke, kein Husten am Morgen. Stattdessen liegt jetzt ein Vape auf deinem Nachttisch. Und trotzdem fragst du dich abends, warum du ihn ständig in der Hand hältst. Die Antwort ist unbequem, aber klar: Tabak und Vape-Geräte enthalten beide Nikotin, eine der am stärksten abhängig machenden Substanzen überhaupt. Du hast das Produkt gewechselt. Die Sucht ist geblieben.
Ist Vapen genauso süchtig machend wie Rauchen?
Chemisch gesehen ja. Nikotin dockt an cholinerge Rezeptoren im Gehirn an und löst dort Anpassungsprozesse aus, die den Suchtkreislauf in Gang halten. Dabei wird Dopamin ausgeschüttet, das dein Gehirn als Belohnung wertet und dich immer wieder zum nächsten Zug antreibt. Dieser Mechanismus funktioniert bei der E-Zigarette genauso wie bei der Kippe. Vaping trägt laut aktueller Forschung dasselbe Risiko für eine Nikotinabhängigkeit wie klassisches Rauchen.
Es gibt einen kleinen Unterschied: Eine Untersuchung von ScienceDirect aus dem Jahr 2020 zeigt, dass Raucher bereit waren, mehr Geld für Zigaretten zu zahlen als Vaper für ihre E-Zigaretten, was auf einen leicht stärkeren Verstärkungseffekt bei Tabak hindeutet. Das klingt nach guter Nachricht. Ist es aber nicht wirklich, denn moderne Pod-Systeme kippen diese Rechnung. Eine Studie im Fachjournal Nicotine and Tobacco Research aus dem Jahr 2025 fand heraus, dass Pod-E-Zigaretten Nikotin so effizient abgeben, dass sie stärker abhängig machen als Nikotinkaugummi, besonders bei jungen Erwachsenen und bei Menschen, die vorher nie geraucht haben.
Warum ist es so schwer, komplett aufzuhören, wenn ich vape?
Weil kein Rauch entsteht, fällt es leichter, mehr Nikotin zu konsumieren, ohne es zu merken. Kein Husten, kein brennender Hals, keine natürliche Bremse. Genau das macht Vapes tückisch: Der Konsum steigt oft unbemerkt an, statt zu sinken.
Die Zahlen zur Rauchentwöhnung durch Vaping sind ernüchternd. Eine Studie mit 6.013 US-amerikanischen Rauchern zeigte, dass Menschen, die täglich vapen, eine um 14,7 Prozent niedrigere Quote hatten, sowohl Zigaretten als auch E-Zigaretten komplett aufzugeben, verglichen mit Menschen, die gar nicht vapten. Selbst bei gelegentlichem Vapen lag die Quote, das Rauchen ganz sein zu lassen, um 5,3 Prozent niedriger als bei Rauchern ohne Vape-Nutzung. Die E-Zigarette als Ausstiegshilfe funktioniert in der Praxis also seltener, als viele hoffen.
Macht Dual-Use, also Rauchen und Vapen gleichzeitig, die Sucht schlimmer?
Ja, und das ist vielleicht der wichtigste Punkt in diesem ganzen Thema. Eine Studie von Martínez und Kollegen im Fachjournal Nicotine and Tobacco Research aus dem Jahr 2020 fand, dass zwar die Abhängigkeit von klassischen Zigaretten sank, nachdem Menschen zusätzlich mit dem Vapen anfingen, aber die Gesamtmenge an aufgenommenem Nikotin und die Gesamtabhängigkeit stiegen an. Menschen, die beides nutzen, hatten eine höhere Nikotinabhängigkeit als reine Raucher oder reine Vaper. Sie berichteten außerdem von stärkerem Craving und heftigeren Entzugssymptomen.
Die Washington University School of Medicine bestätigte 2022 in einer eigenen Untersuchung: Statt die Sucht zu beenden, steigern viele Dual-User ihre Nikotinmenge sogar deutlich. Immerhin, die gleiche Studie fand auch etwas Hoffnungsvolles: Von den Dual-Usern schafften es 20,8 Prozent, innerhalb von 12 Monaten das Rauchen aufzugeben, verglichen mit 16,8 Prozent bei reinen Zigarettenrauchern. Ein Ausweg ist also möglich, nur eben schwerer, wenn man an beidem gleichzeitig festhält.
Was passiert mit meinem Kopf, wenn ich weiter vape?
Nikotin wirkt nicht nur auf den Körper. Eine JAMA-Studie aus dem Jahr 2019 mit fast 30.000 aktiven E-Zigaretten-Nutzern fand, dass diese doppelt so häufig eine Depressionsdiagnose hatten wie Menschen, die noch nie gevapt haben. Bei häufigem Konsum stieg dieses Risiko sogar auf das 2,4-Fache. Nikotin beruhigt kurzfristig, aber langfristig verstärkt es genau die Unruhe, die es angeblich lindert.
Die gute Nachricht kommt von Truth Initiative aus einer Umfrage von August 2021: 90 Prozent der Menschen, die das Vapen aufgegeben haben, berichteten danach von weniger Stress, Angst oder Niedergeschlagenheit. 47 Prozent fühlten sich insgesamt kontrollierter über ihr Leben. Der Kopf beruhigt sich also tatsächlich, sobald das Nikotin verschwindet, nur eben erst nach dem Ausstieg, nicht während des Konsums.
Wie komme ich wirklich weg vom Nikotin?
Der Wechsel von Kippe zu Vape war kein Fehlschlag, du hast gezeigt, dass du bereit bist, etwas zu ändern. Der nächste Schritt ist nur konsequenter: weg vom Nikotin insgesamt, nicht nur von einer bestimmten Verpackungsform. Die Washington University School of Medicine stellte fest, dass zugelassene Entwöhnungsprogramme mit Nikotinersatz und Beratung bei Dual-Usern genauso wirksam sind wie bei reinen Rauchern.
Falls du dich fragst, ob Nikotinbeutel eine bessere Alternative wären: Sie enthalten ebenfalls Nikotin und bringen eigene Nebenwirkungen mit sich, die wir in unserem Artikel über Nikotinbeutel-Nebenwirkungen genauer erklären. Wer wissen will, wie sich Snus von modernen Pouches unterscheidet, findet die Antwort in diesem Vergleich.
Der Wechsel des Produkts ändert nichts an der Grundfrage. Solange Nikotin im Spiel ist, bleibt dein Gehirn im selben Kreislauf gefangen, egal ob es aus Tabak, Dampf oder einem Beutel unter der Lippe kommt.